Elysische Grüße – Exposé

Leonie und Frank Stahl gelten bei Freunden und Bekannten als ein seit mehr als 20 Jahren glücklich verheiratetes Ehepaar. Niemand ahnt, dass die beiden sich nicht nur auseinandergelebt haben, sondern gegenseitig auch tiefe Hassgefühle hegen.

Leonie kann die ständigen Seitensprünge ihres Mannes nicht mehr ertragen, während dieser das spießbürgerliche Leben an der Seite seiner Frau zutiefst verachtet.

An einem trüben Mainachmittag wird Leonie Stahl in ihrem Kräutergarten mit einem Messer erstochen aufgefunden. Die Kommissarin Lydia Weller ermittelt im Umfeld der Toten, die als vorbildliche Hausfrau beschrieben wird.

Der Hauptverdächtige Ehemann, dessen Seitensprünge der Kommissarin im Laufe der Ermittlungen bekannt werden, hat damit das stärkste Motiv. Er kann jedoch ein hieb- und stichfestes Alibi nachweisen, so dass der Fall zunächst ungeklärt bleibt, auch, wenn die Ermittlerin von Franks Schuld überzeugt ist.

Als Franks Geliebte Regine vier Wochen später in sein Haus einzieht, munkeln die Nachbarn und die Freunde rümpfen entsetzt die Nase. Als Regine eines Abends einen Pfefferminztee aus Leonies Vorräten für sich und Frank zubereitet, sterben beide einen qualvollen Tod, den die Kommissarin als Selbstmord mit Geständnischarakter wertet.

Erst der Brief eines Notars, der kurze Zeit später bei der Kripo eintrifft, löst das Rätsel. Leonie, die ahnte, dass ihr Mann Böses gegen sie im Schilde führte, gesteht in dem Schreiben, dass sie getrocknete Pfefferminzblätter mit dem Extrakt des Fingerhutes versetzt hatte. Solange sie selbst am Leben blieb, war gewährleistet, dass niemand die mörderische Kräutermischung verwendete. Sie stellte damit sicher, dass, nur bei ihrem vorzeitigen Ableben, ihr Mann seiner gerechten Strafe nicht entging.

Anfang Elysische Grüße

Leonie Stahl summte leise ein Kinderlied vor sich hin, während sie vor ihrem Kräuterbeet kniete, um es von unerwünschtem Unkraut vollständig zu befreien. Vorsichtig schob sie mit ihrer linken Hand den sattgrünen Schnittlauch zur Seite, um mit der rechten die Erde gewissenhaft mit einer kleinen Harke aufzulockern. Die 42jährige, ordentliche Hausfrau mit der grünen Schürze liebte ihren Kräutergarten und verbrachte sehr viel Zeit mit seiner Pflege. Der grau bewölkte Himmel an diesem frühen Nachmittag im Mai störte sie nicht. Ihre Aufmerksamkeit war ausschließlich auf Minze, Petersilie und Basilikum gerichtet, die ihre liebevoll zubereiteten Gerichte erst vervollständigten. Sie sah nicht den huschenden Schatten hinter sich. Sie sah auch nicht, wie sich die Hand dieser Person erhob. Als sich das lange Messer in ihren Hals bohrte, erschrak sie nur kurz. Und dieses Erstaunen auf ihrem Gesicht bewies der ermittelnden Kommissarin, dass Leonie von ihrem Mörder überrascht wurde.

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