Kleine Trickkiste für Krimi-Schreiber:

von Helga Schimmer

Wollten Sie sich schon immer einmal im Krimischreiben versuchen? Es ist wirklich keine Hexerei! Hier finden Sie ein paar bewährte Kniffe in Kurzfassung.

Trick 1: Schreibtisch-Täter schwören auf Planung.

Ihnen ist die Idee zu einem Kurzkrimi gekommen, und schon sprühen die Geistesfunken aufs Papier. Das ist großartig, doch selten entsteht allein auf diese Weise eine spannende Geschichte. Spätestens nach dem Skizzieren Ihres Einfalls brauchen Sie einen Plan. Starten Sie mit den Eckpfeilern des Entwurfs: einer lebensvollen Hauptfigur, einem zentralen Konflikt und einem lohnenden Ziel. Klassischerweise konfrontieren Sie einen Ermittler mit einem Verbrechen, das er aufklären will. Oder Sie bringen den Helden in ein Dilemma, aus dem er sich nur durch einen Mord zu retten weiß. Was auch immer Sie sich ausdenken: Je mehr für die Figur auf dem Spiel steht, desto interessanter für die Leser.

Trick 2: Der Schluss kommt vor dem Anfang.

Nun kennen Sie das Ziel Ihrer Hauptfigur. Es ist auch Ihr Ziel, das Sie beim Schreiben anpeilen, denn es wird das Ende Ihrer Geschichte. Danach kommt nichts mehr, keine Theorien, keine Erklärungen. Alle für die Lösung wichtigen Fakten sollten sich aus der Handlung ergeben. Dennoch birgt ein guter Krimischluss eine Überraschung, und Sie müssen von vornherein wissen, welches Geheimnis Sie zurückhalten, also den Schluss schon kennen, bevor Sie mit der Niederschrift anfangen. Streuen Sie aber diskrete Andeutungen in die Erzählung ein. Schließlich sollen die Leser den Hut sehen, aus dem Sie das Kaninchen zaubern.

Trick 3: Der Autor ist der Chefermittler.

Bestimmt wollen Sie eine besondere, einzigartige Geschichte schreiben – eine, die lange in Erinnerung bleibt. Am besten gelingt das mit dem Schildern von Details. Wie einfallslos wirken allgemeine Ausdrücke wie „Frühlingsblumen“ oder „berühmte Gemälde“! Da Ihre Leser intelligente, gebildete Menschen sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass etliche von ihnen Schneeglöckchen von Buschwindröschen und einen Michelangelo von einem Leonardo unterscheiden können. Recherchieren Sie Einzelheiten gründlich – der Chefermittler sind Sie selbst! Aber widerstehen Sie der Fachsimpelei. Denn nichts ärgert einen Leser mehr als eine Anspielung, die er nicht versteht.

Trick 4: „Er“ oder „Sie“ sind besser als „Ich“.

Die Gefahren des Erzählens aus der Ich-Perspektive liegen auf der Hand: Zum einen kann das wiederholte Erwähnen des Egos selbstherrlich wirken, zum anderen entstehen in einem Krimi Probleme mit der Informationsbeschaffung. Ist Ihre Geheimagentin stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wirkt sie mitunter unglaubwürdig. Für Schreibneulinge empfiehlt sich daher, den Standpunkt der dritten Person einzunehmen. Ob Sie nun aus dem Blickwinkel der Hauptfigur, einer passiven Nebenfigur oder eines neutralen Beobachters schreiben, Sie gewinnen dadurch größere Freiheit in der Darstellung Ihrer Charaktere.

Trick 5: „Verhaften“ Sie Ihre Leser umgehend.

Dank TV und Internet sind Ihre Leser an eine Informationsflut gewöhnt, die im Minutentakt auf sie einschwappt. Philosophierende Einleitungen oder beschauliche Beschreibungen am Beginn eines Krimis finden sie unerträglich. Stattdessen wollen sie sofort erfahren, um wen es in Ihrer Geschichte geht und dass diesem Jemand Schlimmes droht. Legen Sie also Ihren Lesern unverzüglich „Handschellen“ an – am besten im ersten Satz. Sie brauchen nicht gleich die Katastrophe heraufzubeschwören, es geht auch unspektakulär wie: Inspektor Grohlich konnte nicht länger in seinem Drehstuhl sitzen, er stand auf und ging vor dem Fenster auf und ab.

Trick 6: Spannung – Spannung – Spannung.

Mit einem fesselnden Anfang haben Sie Ihrem Leser eine spannende Geschichte versprochen. Enttäuschen Sie ihn nicht, indem Sie einen flauen Mittelteil liefern oder Ihr Pulver zu schnell verschießen. Stellen Sie sich den Handlungsaufbau wie eine Zündschnur vor: Mit jedem abgebrannten Zentimeter steigern Sie die Spannung bis zum Höhepunkt. Dann erst platzt die Bombe. Wie Sie das Feuer entfachen? – Konzentrieren Sie sich auf die Konflikte, die Ihr Held mit anderen Figuren und mit sich selbst austrägt. Denken Sie an die Gefahren, die ihm drohen. Und legen Sie ihm Stolpersteine in den Weg, die ihn am Erreichen seines Ziels hindern.

Trick 7: Machen Sie Ihre Leser zu Komplizen.

Nehmen wir an, Sie wollen folgende Szene schreiben: Zwei Detektive, Dirk und Marian, treffen sich in einem Nachtclub. Ein zwielichtiger Barkeeper serviert ihnen Tequilas, und die beiden unterhalten sich über einen Verbrecher, den Dirk vor Jahren dingfest gemacht hat. Seit wenigen Tagen befindet sich der gewissenlose Gangster, der seinerzeit Rache geschworen hat, wieder auf freiem Fuß. Trotz des eingebauten Spannungselements ist die Szene dazu verdammt, sterbenslangweilig zu werden – es sei denn, Sie lassen Ihre Leser wissen, dass einer der Tequilas statt der üblichen Prise Salz mit einem Quäntchen Zyanid gewürzt ist. Am elegantesten streuen Sie das Gift wie nebenbei ein, dann hat der Leser auch noch das erhebende Gefühl, er sei Ihnen eine Nasenlänge voraus.

Trick 8: Schön der Reihe nach.

Bestimmt sind Sie bei Ihrer Krimilektüre schon auf jene feinen Gesellschaften gestoßen, in deren Mitte ein mysteriöser Mord geschieht. Für den Kommissar bietet ein solcher Fall Anlass zur Freude, denn alle Verdächtigen sind an Ort und Stelle versammelt. Die Leser aber haben ihre liebe Not: Verzweifelt versuchen sie, sich 20 Namen einzuprägen und die dazugehörigen Personen auseinander zu halten. Der Autor dieser Geschichte kann von Glück reden, wenn er auf ein oder zwei Geduldsmenschen trifft, die sich sein Epos bis zum bitteren Ende antun. Freilich machen Sie es besser, indem Sie a) mit wenigen Verdächtigen auskommen und b) Ihre Nebenfiguren nach und nach einführen, am besten jede in einer eigenen Szene.

Trick 9: Wenig Sympathie fürs Opfer.

Eine bewährte Strategie erfahrener Kriminalschriftsteller ist, das Opfer entweder bereits als Leiche zu zeigen oder so darzustellen, dass der Leser nicht zu viel Mitgefühl empfindet. Selbstverständlich können Sie auch die anspruchsvollere Richtung einschlagen, indem Sie im Leser ganz bewusst Zuneigung zum Opfer wecken. Vergessen Sie dabei jedoch nicht auf subtile Winke, die den Tod des Sympathieträgers ahnen lassen. Denn eines verzeihen Leser nur ungern: Wenn der Autor eine Figur, die ihnen ans Herz gewachsen ist, ohne jede Vorwarnung liquidiert.

Trick 10: Schaffen Sie unvergessliche Figuren.

Das ist vermutlich der Königstrick. Denn was nützt Ihnen der pfiffigste Plot, wenn in ihm blutleere Statisten agieren? Gut, Sie sprechen den Verstand Ihrer Leser an, indem Sie ihnen vorführen, wie Carlo trotz seines Rendezvous mit Arabella seine Angetraute hat erdrosseln können. Die meisten Leute aber lesen Geschichten nicht wegen des intellektuellen Vergnügens. Sie wollen schlicht aus der Realität flüchten. Das gelingt nur, wenn der Leser sich mit dem Helden identifiziert. Verwenden Sie deshalb viel Zeit auf Ihre Figuren und lassen Sie sie handeln und reden, anstatt sie bloß zu beschreiben und über sie zu berichten.

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Sie haben viele gute Ideen, aber noch nie einen Krimi konzipiert oder geschrieben? Hier können Sie die wichtigsten Regeln nachlesen.

Kleine Trickkiste als pdf-Download.



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