„Jakobs Weg“ – Exposé
Der junge Anwalt Jakob von Morgan arbeitet in Amsterdam, bevor er in die Kanzlei seines Vaters eintreten soll. Dort verlobt er sich mit Kollegin Kristin Thijs. Weihnachten fahren sie nach Deutschland. Beim Betreten der Villa Morgan reagiert Kristin panisch. Als sie Jakobs Vater vorgestellt wird, nimmt sie den Schürhaken, stürmt auf Karl-Theo von Morgan zu, schlägt auf ihn ein und bricht zusammen. Während sie in der Klinik im Wachkoma liegt, beginnt Jakob, ihre Vergangenheit zu erforschen. Von ihren Eltern erfährt er, dass sie adoptiert wurde. Mit zwölf Jahren fand man sie mit Amnesie in der Nähe der niederländischen Grenze. Jakob sucht nach Zeugen. Die Leute sind schwer zu finden; viele sind just vor Tagen gestorben. Er selbst entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Daraufhin zirkuliert er ein Kinderfoto von Kristin. Anna Orly meldet sich bei ihm. Sie ist mit Kristin im Weisenhaus Waldblick im Hochtaunus aufgewachsen. Regelmäßig wurden Kinder zur Adoption abgeholt. Viele kamen jedoch als Kinderprostituierte zu reichen Kunden, meist über den Umweg einer großen Villa. Jakob erkennt entsetzt sein Elternhaus aus ihren Schilderungen. Anna, ihre Schwester Laura und Kristin wurden dort von fünf Männern missbraucht, dann in einem VW Bus weggefahren. Auf der Fahrt rastete Laura aus und wurde erwürgt. Anna stellte sich schlafend. Kristin gelang die Flucht. Anna konnte sich nach drei Jahren Gefangenschaft befreien. Jakob begreift, dass sein Vater dahinter steckt und fährt heim, um ihn zur Verantwortung zu ziehen. Er weiß, dass sein ganzes Leben eine Lüge war und beschließt, Opferanwalt zu werden.
Einstieg
Aus dem Autofenster sah Kristin eine Mauer, alte Bäume und im Hintergrund ein spitzes Dach. Im ersten Moment dachte sie, dass sie diese Kulisse in einem Film gesehen haben musste. Der Nebel passte zu ihrer Stimmung. Hör auf, Gespenster zu sehen, ermahnte sie sich. Jakob drückte auf eine Fernbedienung, das Tor rollte zur Seite. Sie fuhren eine gewundene Auffahrt entlang. Schotter knirschte unter den Reifen. Kristin betrachtete die Bäume. Hinter der großen Kastanie rechts müsste der Weg zum Rosarium abzweigen. Wo kam diese Idee nun her?
Jakob fuhr an der Kastanie vorbei. Ein Weg führte in rechtem Winkel von der Auffahrt weg. Kristin starrte auf sein Ende. Ihre Luftröhre wurde immer enger, im nächsten Moment würde sie ersticken. Rosenbüsche, vereinzelte Blüten hingen wie vergessene Dekoration an den Zweigen, ein schmiedeeiserner Torbogen. Jakob bemerkte nichts, er fuhr direkt vor das Haus. Ein Diener stand bereit und eilte zu Kristins Tür. Sie stieg aus. Jakob wartete nicht, ungeduldig wie ein Kind vor der Bescherung sprang er aus dem Wagen und eilte auf ihre Seite. „Was sagst du dazu?“ Er machte eine ausladende Handbewegung.
Sie schluckte. Ihr Speichel war zu Sandkrümeln getrocknet, am liebsten wäre sie zum Tor zurück gerannt. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich daran rütteln, vergeblich, es würde nicht aufgehen, sie war gefangen. Stop! Sie holte Luft und nahm Jakobs Hand. „Es ist wunderschön.“ Er dachte wohl, ihre Stimme versagte ihr aus Ehrfurcht, denn er drehte sie zu sich, drückte ihr einen Kuss auf den Mund und rief: „Willkommen in deinem zukünftigen Zuhause!“

