Lottes Lotos – Exposé
Die Apothekerin Gundula ist besorgt. Erbtante Lotte hat eine neue Haushaltshilfe engagiert, den schokoladebraunen Bundu aus Sierra Leone. Er kümmert sich rührend um Haus und Garten. Ob er auch Tantchens Liebhaber ist? Gundula befürchtet, dass Tante Lotte ihr Testament zu Bundus Gunsten ändern könnte. Mit ihrem Bruder Gilbert plant sie die Ermordung der Tante. Sie injizieren Kaliumzyanid in die flüssige Fülle von Lottes Lieblingspralinen.
Kurz darauf wundern sich die Geschwister über Tante Lottes Nachricht, dass Bundu verstorben sei und über die Einladung zu einem Abschiedsmahl zu Bundus Ehren. Lachscarpaccio, Lammbraten und Zitronensorbet munden vorzüglich. Zum Kaffee reicht Tante Lotte Pralinen. Gilbert und Gundula erstarren: es sind die vergifteten. Überraschenderweise taucht Kriminalkommissar Duschek auf. Er interessiert sich für Lottes Terrarium, in dem sich drei goldgelbe Pfeilgiftfrösche tummeln. Der Kommissar berichtet, dass Bundu an Atemlähmung gestorben sei, ausgelöst durch Pfeilgift, verabreicht durch einen spitzen Gegenstand. Lächelnd gesteht die Tante den Mord. Sie habe Bundu geliebt, doch er habe sie betrogen. Vor ihrer Festnahme bietet sie dem Kommissar Kaffee und Konfekt an. Sekunden später sinkt er auf Lottes Perserteppich. Die Tante lächelt wissend. Auf ihr Händeklatschen erscheint ein junger, bildhübscher Inder namens Rajiv - „Lotosblume“. Ohne mit der Wimper zu zucken rollt Rajiv den toten Kommissar in den Teppich und trägt ihn in den Garten. Lotte verkündet, sie werde Rajiv heiraten. Gundula und Gilbert wechseln besorgte Blicke.
Einstieg Lottes Lotos
„Ich. Bin. Besorgt.“ Mit jedem Wort rammte Gundula die Kuchengabel in das Tortenstück. Die Schokoglasur der Nubiertorte klaffte auf, Marmelade quoll aus den Wunden. Gilbert stellte seine Espressotasse ab. „Weil Tante Lotte einen Bimbo als Gärtner angestellt hat?“
„Der Bimbo heißt Bundu, verfügt über einen göttlichen Körper, folgt Tantchen auf Schritt und Tritt wie ein dressierter Pudel und liest ihr die geheimsten Wünsche von den Augen ab. Wünsche, die sich nicht auf die Pflege ihrer Rosenbeete und das Putzen der Kristallluster beschränken.“ „Sie vernascht ihn?“ Gilbert grinste. „Gönn es ihr doch!“
„Wie naiv bist du eigentlich? Sie wird ihr Testament ändern.“ Oh du mein schöner, dummer Bruder, dachte Gundula.
Sein Haifischlächeln gefror. „Was schlägst du vor?“
„Beten, dass sie den Löffel abgibt? Wir können nichts tun.“ Sie fixierte den Berg brauner Brösel auf ihrem Teller.
„Wü naüv büst du eigentlüch?“, lästerte Gilbert. „Wir nehmen ihr den Löffel aus der Hand.“

