Kopfgeldjäger – Exposé
In Berlin wird aus dem Landwehrkanal die Leiche eines erschossenen jungen Mannes geborgen. Der Tote wird als ein Aktivist der linken Szene identifiziert, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt war – auf rechtsextremen Internetseiten.
Die Ermittlungen in der Neonazi-Szene sind zunächst erfolglos, bei der Polizei wächst nach Veröffentlichung eines Handy-Mitschnittes des Mordes am Karl-Liebknecht-Denkmal im Internet die Befürchtung, dass es zu einer Eskalation zwischen rechts und links mit möglicherweise weiteren Toten kommt.
Kurz darauf wird ein jugendlicher Neonazi ins Krankenhaus eingeliefert, der brutal zusammengeschlagen wurde. Der Neonazi beschuldigt eine Gruppe Linksradikaler, als Kommissar Hauser ihn aber nach dem Mord befragt, reagiert er merkwürdig.
Hauser weist daraufhin eine Überwachung des Verletzten an. Trotzdem gelingt es dem Neonazi, sich aus dem Krankenhaus zu schleichen, nur durch Zufall kann sich der Kommissar an seine Fersen heften.
Der Neonazi sucht einen anderen Jugendlichen auf, den er aus der Jugendstrafanstalt kennt. Diesen unpolitischen Außenseiter hatte er mit dem Verweis auf das Kopfgeld zu dem gemeinsamen Mord überreden können. Allerdings hatte sich das Kopfgeld als leere Versprechung entpuppt – weswegen der ihn zusammengeschlagen hatte.
Der Neonazi will jetzt Fluchthilfe haben, da er vermutet, dass ihm die Polizei auf der Spur ist. Als sein Komplize ihn stattdessen zu beseitigen versucht, greift Hauser ein.
Der Jugendliche widersetzt sich der Verhaftung und nimmt den Neonazi als Geisel, die Flucht mit dem Wagen des Kommissars endet jedoch kurz darauf mit einem Unfall an einer Polizeisperrung – die eine Demonstration aus Anlass des Mordes abschirmen soll.
Anmerkung: Der Ausgangspunkt dieser Story, das Aussetzen von Kopfgeld auf rechten Internetseiten, ist leider real.
Einstieg
„Scheiße, Mann, wie lang dauert das noch?“
Wütend spuckte er auf den Boden. Trotz des nasskalten Dezembermorgens schwitzte er wie ein Schwein, und dieser Trottel brauchte eine Ewigkeit, um sein verficktes Handy einzuschalten.
„Wieso überhaupt hier? War das dein Opa, oder was?“
Mit einer Kopfbewegung wies er auf die Gedenkinschrift, während seine Arme einen kraftlosen Körper umklammerten.
„Schnauze. Das verstehst du nicht,“ zischte der andere und fingerte nervös auf der Tastatur herum. „Denk an unsere Abmachung und halt die Klappe!“
Als er endlich die Filmfunktion gefunden hatte, richtete er seine Taschenlampe auf die Steinsäule.
„Davor!“ befahl er. „Und pass auf, dass du nicht ins Bild stolperst.“
„Bin ich blöd?“
Wütend packte der erste seine Last am Kragen, streckte sie in den Lichtkegel und hielt ihr eine Pistole an den Hinterkopf.
Der ungedämpfte Schuss wurde von einem späten Nachtbummler, der keine hundert Meter weit vorbeiging, für einen verfrühten Sylvesterknaller gehalten.

